120-Städte-Studie: Tankbetrug wird immer mehr zum „Volkssport“, Spitzenwert: Trotz fallender Benzinpreise 91.500 Ermittlungsverfahren

„Benzinklau“ steigt seit 2010 um 17% / Berlin, Solingen, Frankfurt am Main, Köln Betrugshochburgen / Täter meist Männer

Trotz Preisrückgang steigen die Straftaten weiter an. Kostenlose Grafik-Veröffentlichung unter Online-Linksetzung auf www.preisvergleich.de.

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Ferienzeit ist Hauptreisezeit. Die meisten Deutschen sind mit ihrem „liebsten Kind“, dem Auto, unterwegs. Und wie in jedem Jahr treffen sich Massen von Autofahrern mit ihren PKWs an den bundesdeutschen Tankstellen. Doch immer häufiger suchen sie, anstatt zu bezahlen, das Weite: Insgesamt 91.578 Mal wurden die Tankstellenbesitzer um ihre Rechnung geprellt. Das belegt nun eine 120-Städte-Studie des Produkt-, Energie- und Finanzdienstleistungsportals preisvergleich.de (2,46 Mio. Nutzer). Die Erkenntnis der Studie: Der neue Volkssport in Deutschland lautet Tankbetrug.

Noch nie haben in Deutschland so viele Menschen, trotz zunehmender Videoüberwachung an den Tankstellen, Benzin „geklaut“ wie 2013. Mit 91.578 bei der Polizei angezeigten Tankbetrugs-Delikten stieg die Quote seit 2010 um 17,3% an.
Auffällig ist, dass es einen Parallelflug zwischen steigenden Benzinpreisen und Diebstahlsquoten gibt. Das lässt sich zumindest in den Jahren 2010 bis 2012 beobachten. Eklatant: Obwohl 2013 die Benzinpreise wieder gefallen sind (Super-Benzin -3%, Diesel -4%), kletterten nach wie vor die Diebstahlquoten immerhin noch um 2%.

In Deutschland gibt es derzeit etwa 16.000 Tankstellen. Auf deren Basis wurde die Anzahl der Betrugsfälle pro Tankstelle vom Rechercheteam von preisvergleich.de ausgewertet. Für die Anzahl der Tankstellen wurden Angaben der LOGIBALL GmbH, TomTom International B.V. berücksichtigt.

Besonders beliebt in Berlin, Solingen, Frankfurt am Main, Bottrop oder Köln Kostenlose Grafik-Veröffentlichung unter Online-Linksetzung auf www.preisvergleich.de.

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20 Tankbetrugsfälle pro Tag in Berlin

Fakt ist: Gemessen an der Anzahl der Tankstellen und den angezeigten Betrugsfällen, ist Berlin die Benzinklau-Hochburg Nummer eins in Deutschland. Statistisch betrachtet wird jede Berliner Tankstelle mindestens 25-mal im Jahr von Tankbetrügern heimgesucht. Damit liegt die Bundeshauptstadt 253% über dem Städtedurchschnitt. Insgesamt verzeichnete die Polizei 7.237 angezeigte Fälle im Jahr 2013. Das sind etwa 20 Fälle pro Tag.

Der zweite Platz geht ins Bergische, nach Solingen. In der Stadt der Messerschleifer wurden im Vergleich zu Berlin zwar nur mickrige 605 Tankbetrugsfälle gemeldet, doch: Bei gerade einmal 27 Tankstellen in der ganzen Stadt macht dies eine Quote von 22 Betrugsfällen pro Tanke. Damit liegt die Stadt 219% über dem Städtedurchschnitt. Auf Platz drei folgt Frankfurt am Main. In der deutschen Bankenmetropole verzeichnete man durchschnittlich 19 Tankbetrugsfälle pro Station. Insgesamt kamen 1.353 Delikte zur Anzeige. Auf Rang vier findet sich Bottrop. In der Stadt im nördlichen Ruhrgebiet sind insgesamt 290 Tankbetrugsdelikte (2012: 218) aktenkundig. Das sind immerhin 17 Delikte pro Tankstelle und Jahr. Weitere Sprit-Betrugs-Hochburgen sind Köln, Baden-Baden, Saarbrücken, Gelsenkirchen, Herne, Leipzig, Konstanz, Moers, Mannheim, Magdeburg und Dortmund. 17 weitere Hochburgen und zusätzliche Tankbetrugs-Details in Tabelle 1

Ehrliche Tankstellen-Kunden in Heide, Aalen, Celle, Reutlingen, Straubing oder Salzgitter

Ehrliche Kunden finden sich laut der preisvergleich.de-Erhebung in Aalen und Heide. Statistisch betrachtet wird hier jede Tankstelle nur einmal im Jahr mit dem Tatbestand des Tankbetrugs konfrontiert. Ebenfalls vorbildliche Kunden finden sich auch in Hildesheim, Bayreuth, Esslingen, Fürth, Remscheid, Reutlingen, Bremerhaven, Trier und Schweinfurt. Hier verzeichnete man im Jahr 2013 nur zwei Delikte pro Tankstelle. Weitere Informationen in Tabelle 1

Aufklärungsquoten und Tätertypen

Trotz Kameraüberwachung an den Tankstellen liegt die Aufklärungsquote der angezeigten Tankbetrügereien deutschlandweit wie im Vorjahr bei nur 43,1%, wobei es erfolgreiche Ermittler in Hessen (54,6%), Mecklenburg-Vorpommern (54,3%) oder Thüringen (52,8%) und schlechte in Berlin (24,5%) oder Bremen (30,9%) gibt.

Besonders schwer gestaltet sich die Aufklärung bei Betrügereien mit gefälschten oder gestohlenen Kennzeichen. Wenn die Täter zudem noch mit Schal, tief in das Gesicht gezogener Mütze und Sonnenbrille bekleidet sind, ist die Chance trotz Videoüberwachung fast gleich Null. Das heißt: Der Straftäter kann unbehelligt die Tankstelle verlassen, meist ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

Auf lokaler Ebene sind die Schwankungen der Aufklärungsquoten in den untersuchten Städten noch größer als auf Bundeslandebene. Die beste Aufklärungsquote verzeichnete die Polizei in Esslingen mit 91,7%. Besonders gut arbeiten die Ermittler auch in Trier. Mit 86,2% bestätigten sie die gute Aufklärungsarbeit aus dem Vorjahr (2012: Rund 85%). Ermittlungstechnisch mau sieht es in der Betrugshochburg Solingen aus. Nur 16% der Fälle konnte die Polizei aufklären. Bereits 2012 war die Quote mit 18,6% nicht berauschend. Weitere Informationen in Tabelle 1

Fest steht: Spritklau ist nach wie vor eine Männerdomäne. Von den über 33.693 ermittelten Tatverdächtigen waren im Jahr 2013 etwa 78% Männer. Gemessen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen finden sich die meisten in der Gruppe der 30- bis unter 50-Jährigen mit 46%, gefolgt von der betrügerischen „Jungspund“-Fraktion mit 22,3%. Die betrügerische Pensionärs-Fraktion findet sich mit läppischen 11,2% in den Unterlagen. Fahranfänger scheinen im Bereich Tankbetrug noch grün hinter den Ohren zu sein. 4,0% der Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahre trauen sich, den Tankwart zu betrügen.

Vor Ort klaut es sich am besten: Augenscheinlich sind die Betrüger sehr faul. Weite Fahrtstrecken sind ihnen ein Graus. Denn 33,5% der Tankbetrügereien erfolgen in der gleichen Gemeinde, in der die „betrogene“ Tankstelle liegt. Fast 14% der taten erfolgen im Landkreis, 28,4% im selben Bundesland.

Tabelle Bundesländervergleich

Deutschlandgrafik

Mit wenigen Ausnahmen sind in Süddeutschland fast nur "ehrliche Autofahrer" unterwegs. Kostenlose Grafik-Veröffentlichung unter Online-Linksetzung auf www.preisvergleich.de.

Mit wenigen Ausnahmen sind in Süddeutschland fast nur „ehrliche Autofahrer“ unterwegs.
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Stand: 21. Juli 2014. Alle Angaben ohne Gewähr.

Erhebung der Anzahl der Tankstellen
Für die Erhebung wurden in einer zweimonatigen Recherche bei zahlreichen Polizeidienststellen, den Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt die Daten erhoben. Die Anzahl der Tankstellen in den Städten und den Bundesländern wurde im Auftrag von preisvergleich.de von der Firma LOGIBALL GmbH, TomTom International B.V. erhoben. Gezählt werden u.a. auch Tankstellen an Autohäusern oder Supermärkten. Tankstellen eines Betreibers beiderseits einer Straße werden als zwei Stationen gezählt.

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